Das BG Schwechat als Museum. Ein Römergrab schreibt Geschichte.

Im Frühjahr 1933 wurde auf dem Areal des Schwechater Hauptplatzes ein römisches Steinkistengrab gefunden. Vor 1700 Jahren befand sich nämlich an dieser Stelle ein Friedhof der römischen Bewohner Schwechats, damals Ala Nova genannt. Dieses Grab, das seit dem Umbau der Schule im Foyer gemeinsam mit einer Vitrine von Fundgegenständen aus der Entstehungszeit ausgestellt ist, war die letzte Ruhestätte eines römischen Offiziers.

Wie das oft in der Spätantike üblich war, wurde bei der Errichtung des Grabes ein ursprünglich an einem völlig anderen Platz verwendeter Grabstein einer „früheren“ Bewohnerin namens Aurelia Verina als Baustein für eine Seitenwand wiederverwendet: Recycling auf Römerart!

Aurelia Verina starb um 280 n. Chr. im Alter von 60 Jahren in Schwechat. Sie entstammte einer ursprünglich keltischen Familie, die jedoch später das römische Bürgerrecht erhalten hat, was bedeutete, dass auch der Besitz an die Erben weitergegeben werden konnte.

Die noch erhaltene Grabinschrift lautet:

D(IS) M(ANIBUS) PERPETU(A)E SECURITATIS AUREL(IAE) VERIN(A)E MEMORIAM POSUERUNT VIX(IT) AN(NOS) LX MARCIANUS MARCEL(L)INUS REVOCATUS CARI(SSIMAE) CONIUGI DULCISSIM(A)E MATRI FECER(UNT)

Der göttlichen Seele und ewigen Totenruhe der Aurelia Verina errichteten sie es zum Andenken. Sie lebte 60 Jahre. Marcianus, Marcellinus und Revocatus errichteten es für die liebste Gattin und süßeste Mutter.

Zu jeder zivilen und militärischen Siedlung gehörten in der römischen Antike ein oder mehrere Friedhöfe, die sich immer außerhalb der Stadt befanden. Schon das älteste römische Grundgesetz, das so genannte Zwölf-Tafel-Gesetz aus der Mitte des 5. Jhs. v. Chr., verbot die Toten in der Stadt zu begraben oder zu verbrennen. Die Friedhöfe waren zumeist offen, also nicht durch Mauern gesäumt. In der Regel lagen sie an den Ausfallstraßen der Siedlungen, wobei Ruhestätten direkt neben der Straße sehr teuer waren und den begüterten Bewohnern vorbehalten blieben. Den Toten wurden Grabbeigaben, oftmals nur symbolische Gegenstände, mitgegeben.

Auch in diesem Grab des etwa 35-jährigen Offiziers befanden sich Beigaben: ein Gewandgürtel, eine Schnalle, ein Eisenmesser, der Rest eines Tonkruges für den Totentrunk, ein Hufeisen und einige Zähne des Lieblingspferdes des Römers. Die Grabbeigaben befinden sich im Besitz des Historischen Museums der Stadt Wien.

Das Steinkistengrab wurde vor der Aufstellung im Foyer der Schule im Zuge eines von Hofrat Mag. Franz Humer (Archäologischer Park Carnuntum) initiierten und vom Land Niederösterreich geförderten Projekts fachgerecht restauriert. Da es bereits seit 1990 im ehemaligen Eingangsbereich aufgestellt war, kamen beim Abbau interessante „historische“ Dokumente zum Vorschein… Verpackungen von Süßigkeiten, die von Schülern im Laufe der Zeit durch Ritzen hineingesteckt wurden, sowie Münzen aus der 2. Republik. Ein 10-Groschen-Stück aus dem Jahr 1973 und eine 1-Schilling-Münze aus dem Jahr 1975 waren die ältesten Fundgegenstände.

Aufbau des restaurierten Grabdenkmals

Der Text folgt den Erläuterungen zum Römergrab im Foyer der Schule, verfasst von Hofrat Mag. Franz Humer (Archäologischer Park Carnuntum). Aufgrund seiner Initiative wurde das Grab fachgerecht restauriert und durch Fundstücke aus römischer Zeit – ausgestellt in Vitrinen im Foyer – ergänzt.

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