Schwechat. Eine Schulstadt

Die Anfänge des BG/BRG Schwechat eingebettet in die Geschichte Schwechats als Schulstadt. Ein kurzer Überblick verfasst von Eduard Hruska unter Einbeziehung eines Forschungsberichts von Elisabeth Wallinger veröffentlicht im Jahresbericht der Schule im Jahr 1993/94…

Die erste namentlich bekannte Siedlung ist das römische Reiterkastell Ala Nova, nach dem sich der Absolventenverein des BG/BRG Schwechat benannt hat. Es war von einer Zivilsiedlung umgeben. Das Steinkistengrab im Foyer der Schule stammt aus dieser Zeit (3. Jahrhundert nach Christi). Bis zum Mittelalter existieren keine konkreten Aufzeichnungen aus den Bereichen Schule und Erziehung. Erst aus dem Jahr 1108 datiert ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass Ekkerich de Chufarin zu Zwölfaxing seinen Sohn zur Erziehung in das Stift Göttweig schickte, da Schulen im Mittelalter in der Regel Klöstern und Bischofssitzen angeschlossen waren. Die Schüler dieser Schulen waren üblicherweise für den geistlichen Stand vorgesehen. Ein weiterer Hinweis betrifft Jakobus und Johannes Scherhauff de Svaechant, die ab 1405 an der Universität Wien inskribiert hatten und Priester und Chorherr in St. Stefan wurden.

Das Datum der Gründung der ersten Schule in Schwechat ist nicht genau bekannt, doch weiß man, dass sie etwa im Bereich des heutigen Polizeikommissariates stand und 1529 während des Rückzugs der Türken nach der Belagerung Wiens zerstört wurde. Neben der Kirche war ein Schulgebäude errichtet worden, für das ein Bericht aus dem Jahr 1555 festhält, dass es nur von wenigen Schülern besucht wird, was aufgrund der vorherigen Entwicklung nicht verwunderlich ist, da der Ort ja 26 Jahre vorher praktisch ausgerottet worden war.

1755 starb Anna Barbara Zaillnerin, die Ehefrau des Mitbesitzers der Schwechater Kattunfabrik, und hinterließ testamentarisch 4000 Gulden für die Errichtung einer neuen Schule. Damit war die Finanzierung durch eine „private Sponsorin“ gesichert, das Gebäude ein Jahr später fertiggestellt. Für den Unterricht stand ein einziger Raum zur Verfügung, der Rest diente dem Schulmeister als Wohnung. Es bildet heute den südlichen Flügel des Pfarrhofes, befindet sich jedoch nicht mehr im Originalzustand, da es im Jahr 1945 zerstört und später wieder aufgebaut wurde.

Interessant sind die Rahmenbedingungen für den Unterricht im Jahr 1860: Zahlung von 5 Kreuzern monatlich für die Heizung im Schulhaus sowie ein wöchentliches Schulgeld von 2½ Kreuzern. Wegen Lehrermangels wurde nur in zwei der drei Klassenräume Unterricht abgehalten: vormittags (8-10 Uhr) für die 2. Klasse, nachmittags (13-15 Uhr) für die 1. und 3. Klasse. Jede der Klassen umfasste im Jahr 1864 rund 120 – 170 Schüler! Der Platzmangel wurde jedoch als dermaßen bedrückend empfunden, dass man im Brentanihof (Sendnergasse) eine Außenstelle einrichtete und die Gemeinden Rannersdorf und Kledering 1864 beschlossen, eine eigene, gemeinsame Schule in Rannersdorf zu bauen. Sie befand sich hinter der heutigen Musikschule und umfasste 4 Klassenräume, von denen aber aus Gründen des Lehrermangels – trotz einer Gesamtschülerzahl von 400 – nur drei benutzt wurden.

1868 wurde mit dem Inkrafttreten des Reichsvolksschulgesetzes auch der Lehrplan erweitert. Zu den bisherigen Gegenständen Religion, Sprachlehre, Lesen, Schreiben, Rechnen und Gesang kamen jetzt Naturkunde, Geschichte, Geographie, geometrische Formenlehre und Turnen für Knaben hinzu. Es existierten auch Privatschulen für weibliche Handarbeiten, für das Kleidermachen und für Freihand- und Konstruktionszeichnen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Schülerzahl durch den Zuzug von Arbeitern wegen der neu entstehenden Industriebetriebe kontinuierlich an, sodass 1878 761 Kinder die Schule in Schwechat besuchten. 1881 stiftete daher der Brauereibesitzer Anton Dreher ein neues Schulgebäude am Hauptplatz, die spätere Mädchenvolksschule und heutige Schwechater Musikschule. Im selben Haus wurde zwei Jahre später auch ein Kindergarten errichtet.

Wieder war es Raumnot, die 1893 zum Beschluss des Baues einer weiteren Volksschule auf der sogenannten Gänseheide führte. Dort konnten Knaben und Mädchen getrennt unterrichtet werden, was damals als erstrebenswert betrachtet wurde. Von 1938 bis 1954 war Schwechat Teil des 23. Bezirkes von Wien. Die Schule wurde zum Amtshaus und nach einem Umbau zum Stadtamt Schwechats umfunktioniert. Auch heute befindet sich das Stadtamt nach einer Neugestaltung an dieser Stelle.

Im Jahr 1907 beschloss die Gemeinde den zusätzlichen Bau einer Doppelbürgerschule (den Vorläufer der 1927 eingeführten Hauptschule) für Mädchen und Knaben. 1909 fand die feierliche Grundsteinlegung in der Ehrenbrunngasse statt, bereits ein Jahr später wurde die Schule mit vier ersten und zwei zweiten Klassen – für 149 Knaben und 137 Mädchen – eröffnet. Das Gebäude, das heute den ältesten Teil des Gymnasiums darstellt, hatte damals nur zwei Stockwerke und eine Mansarde, in der sich der Zeichensaal befand. Ein Ausbau der dritten Etage war geplant. Im Februar 1945 wurde das Gebäude durch einen Bombentreffer im Nachbarhaus in Mitleidenschaft gezogen. Bei der Renovierung wurden die beiden Turmaufsätze an den beiden Seiten des Zeichensaales nicht wiederhergestellt.

Im Zuge des Wiederaufbaues errichtete man in Schwechat 1953 in der Ehrenbrunngasse (neben dem Gebäude des Gymnasiums) eine neue Volksschule für 15 Klassen, die 1971 um ein Stockwerk erweitert wurde. Bereits 1956 wurde die Hauptschule (also die Schule Ehrenbrunngasse 21) aufgestockt, da das für 400 Schüler vorgesehene Gebäude zu klein geworden war. Die ehemalige Mädchenvolksschule am Hauptplatz wurde ebenfalls erweitert, beherbergte seit 1967 die Musikschule und bot für viele Jahre auch der Sonderschule Raum. Zwischen 1976 und 1991 waren dort hofseitig auch vier Klassen des Gymnasiums untergebracht.

Schließlich erfolgten die Errichtung der Dr. Adolf-Schärf-Schule (Sporthauptschule) und der Schule am Frauenfeld (Europahauptschule). In das alte Hauptschulgebäude zog im September 1969 nach langen Verhandlungen (seit 1964) das Gymnasium als Expositur des Gymnasiums in Bruck an der Leitha ein. Ab dem Jahr 1972 – nach der Übersiedlung der restlichen Hauptschulklassen auf das Frauenfeld – stand das ganze Haus für die Nutzung durch das Gymnasium zur Verfügung. Im Zimmer der Schulärztinnen und in einem kleinen Aufenthaltsraum für Lehrer ist heute noch die originale Decken- und Fassadengestaltung aus dem Jahr 1910 erhalten.

Direktor der ersten Stunde war HR Dr. Franz Slawik, der – aus Krems kommend – die Leitung der Schule übernahm. Er war eine der ganz großen Persönlichkeiten, die am BG/BRG Schwechat wirkten. Er hatte sub auspiciis promoviert, unterrichtete die Unterrichtsgegenstände Deutsch, Leibesübungen sowie Psychlogie und Philosophie. In späteren Jahren war er Mitglied des niederösterreichischen Landtages sowie Kulturlandesrat. Unvergessen sind seine Aufzeichnungen aus den letzten Monaten vor seinem durch eine schwere Erkrankung verursachten Tod, die auch als Buch mit dem Titel „Nur einen Sommer“ gemeinsam mit Illustrationen des Künstlers Karl Martin Sukopp erschienen sind.

HR Mag. Eduard Hruska war zunächst Prov. Leiter und anschließend Direktor des BG/BRG Schwechat (1993 – 2001). Dr. Elisabeth Wallinger unterrichtete an der Schule Latein und Geschichte.

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