Eine Brücke zwischen Tradition und Moderne

Als ich am 01. Februar 2005 die Leitung des BG/BRG Schwechat übernommen habe, wurden an der Schule 33 Klassen geführt – nach dem letzten Umbau ungefähr zehn Jahre davor waren es noch 23. Der rasante Anstieg der Schülerzahlen und damit der Anzahl der Klassen stand im krassen Gegensatz zur Anzahl der Klassenräume. Bereits ein Jahr nach der Generalsanierung Anfang der 90er Jahre hatte man die Zahl der vorhandenen Normklassenräume überschritten. Von der 24. bis zur 33. Klasse behalf man sich mit der Umwidmung von Sonderunterrichtsräumen. Schließlich wurden die Gangenden in allen Stockwerken durch Alu-Glas-Konstruktionen abgeteilt und dadurch kleine Klassenräume für rund 20 SchülerInnen gewonnen.

Der erste Architektenentwurf…

Jedenfalls war 2005 klar, dass eine Schulerweiterung – Hand in Hand mit einer neuerlichen Sanierung – angedacht werden musste. Meine ersten Gespräche mit verantwortlichen Vertretern des Landesschulrates für Niederösterreich im Herbst 2005 stießen sofort auf Verständnis. Ein Projekt dieser Größenordnung bedarf natürlich umfangreicher Planungsarbeiten, sodass man sich in den Jahren bis zur endgültigen Umsetzung sogar mit Wanderklassen behelfen musste. Dennoch: der Stein war ins Rollen gekommen.

Am 10. Oktober 2007 stimmte das bm:ukk, das damalige Bildungsministerium, der Erweiterung und Adaptierung des Schulgebäudes zu. Bereits am 17. Jänner des darauffolgenden Jahres fand der Architektenwettbewerb mit der Beurteilungssitzung im alten Turnsaal der Schule seinen Höhepunkt. Zum Sieger wurde der Entwurf des Architekturbüros Schwinde aus München gekürt. Parallel dazu wurde daran gearbeitet, die Platznot in der Schule zu verringern, was schließlich am 01. September 2008 zur Eröffnung der Containeranlage an der Bruck Hainburgerstraße / Ecke Möhringgasse führte. Acht Oberstufenklassen konnten damit ausgelagert werden. Eine große Erleichterung trotz aller damit verbundenen Nachteile, zum Beispiel beim Wechsel von den Klassenräumen in die Sonderunterrichtsräume im Hauptgebäude!

Während die Planungsarbeiten zügig voranschritten und die Stadtgemeinde Schwechat sich dankenswerterweise bereit erklärte, der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) das Grundstück des ehemaligen Verkehrserziehungsgartens, auf dem sich jetzt die Sportanlage befindet, auf einen Zeitraum von 100 Jahren kostenlos zur Verfügung zu stellen, stagnierten die Verhandlungen zwischen der BIG und dem Bildungsministerium. Die Ursache lag im finanziellen Bereich. Die BIG war bereits mit der Verwaltung des alten Schulgebäudes beauftragt worden, die finanziellen Mittel dazu kommen jedoch auch heute noch aus dem Budget des Bildungsministeriums. Bis zu einer beide Seiten zufriedenstellenden Lösung vergingen beinahe drei Jahre, was eine Verteuerung der Arbeits- und Materialkosten sowie eine ständige und nicht geplante Verlängerung der Mietkosten für die Containeranlage zur Folge hatte.

Der alte Turnsaal während der Abrissphase
Die neuen Turnhallen im Rohbau

Trotz allem war es am 01. Juni 2011 soweit. Der Abriss des der Schule gegenüberliegenden alten Turnsaales konnte beginnen, um dem Neubau Platz zu machen! Knapp zwei Monate später wurde mit der Errichtung der Fundamente für den Neubau begonnen, der vor allem bedingt durch einen sehr milden Winter zügig durchgezogen werden konnte. Gleichzeitig wurde die logistische Planung für die Umbauarbeiten im Altbestand vorangetrieben. Im Mai 2012 begann die Phase der größten Herausforderungen im Zuge des Gesamtprojekts. Der Schulbetrieb sollte bis Ende Juni so wenig wie möglich gestört werden, ab September musste er nach den beiden Sommermonaten – naturgemäß die Hauptphase der Baumaßnahmen im Haus – wieder uneingeschränkt aufgenommen werden können. Dass diese Absicht nicht im vollen Umfang umgesetzt werden konnte, war allerdings bereits Ende Mai klar, als sich herausstellte, wie lange es dauerte, allein schon das Kellergeschoß, in dem vor allem Werkräume und EDV-Säle sowie Technikräume untergebracht werden sollten, aufzubrechen. Immerhin handelte es sich um mehr als zwei Meter dicke Stahlbetonwände, die Bestandteil des zu Anfang der 90er Jahre errichteten Strahlen-Schutzraums waren. Immerhin konnte der Schulbetrieb im September aufgenommen werden, wenn auch die gröbsten Bauarbeiten erst im November 2012 endgültig abgeschlossen wurden…

Nach der Übergabe des Neubaus im Dezember 2012 wurde mit der Möblierung der Räume begonnen, die Containerklassen konnten aufgelöst werden und am 11. Februar 2013 – nach den Semesterferien – wurde der Erweiterungsbau in Betrieb genommen.

Im sanierten Altbau war, um die Voraussetzungen für einen zeitgemäßen Unterricht zu schaffen, fast kein Stein auf dem anderen geblieben. Von dem 1910 errichteten Schulbau blieben bloß die beiden Stiegenaufgänge zum Hochparterre erhalten. Durch geringfügige bauliche Veränderungen wurden die Räume zum Lehreraufenthaltsraum sowie zum Arztzimmer umgewidmet, Decke und Wandfassade blieben im Originalzustand aus der Zeit der Monarchie erhalten. Als Relikt einer wesentlich früheren Zeit konnte nach einer fachmännischen Generalsanierung, die vom Land NÖ unterstützt wurde, das Römergrab im Eingangsbereich wiederaufgebaut werden. Wesentlichen Anteil an diesem Teilprojekt hatte der Landesarchäologe und wissenschaftliche Leiter des Archäologieparks Carnuntum, Hofrat Mag. Franz Humer.

Damit steht das Gebäude für eine gelungene Verbindung von Alt und Neu: Auf der einen Seite die Kaiser Franz Joseph-Jubiläumsschule aus dem Jahr 1910, auf der anderen Seite der Neubau im Stil zeitgenössischer Architektur – verbunden durch die Brücke über die Ehrenbrunngasse, die damit den Grundgedanken auch auf symbolische Art und Weise auf den Schultyp des Gymnasiums überträgt: das Gymnasium als erfolgreicher Schultyp und Ort traditioneller Allgemeinbildung in Verbindung mit modernen, zeitgemäßen Inhalten und Unterrichtsformen.

Der Autor, HR Mag. Richard Dech, war von 1976 an Lehrer für Deutsch und Geschichte, ab 1995 Mitarbeiter am Pädagogischen Institut NÖ (heute Pädagogische Hochschule) und von 2005 – 2014 Direktor des BG/BRG Schwechat.

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