Das neue Haus mit Leben füllen

Nach den Belastungen für Schüler, Lehrer und Eltern, die sich durch ständig ändernde Raumverfügbarkeiten während der Bauzeit und der Zeit der völligen Neueinrichtung des Hauses ergaben, war jetzt die Zeit gekommen, alle Möglichkeiten entsprechend umfassend zu nutzen.

Vor allem ging es darum, auch jene Initiativen zu setzen, um die in den Schulgesetzen festgelegten Ziele sichtbar und erlebbar zu machen. Als Schaltstelle zwischen den Generationen kommt der Schule überdies eine besondere Bedeutung zu, und als Ort der Begegnung hat sich das Haus auch als eines der kulturellen Zentren der Stadt weiterzuentwickeln.

Im ständigen Bemühen um einen möglichst breiten Konsens über die Bildungs- und Entwicklungsziele sollte die Basis für eine humane und leistungsorientierte Schule liegen. Es ging nicht mehr darum, dass Unterricht in einer halbwegs erträglichen Weise stattfinden konnte, sondern darum, die bauliche Hülle mit Leben in die genannten Richtungen zu erfüllen. Die Gefahr war, dass sich bei Lehrern und Schülern eine Zufriedenheit mit dem Erreichten breitmacht, die jede weitere Entwicklung verhindert oder zumindest verzögert.

Für eine zielgerichtete Entwicklung war es nötig, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. Ein kleines Team des BG/BRG Schwechat bewarb sich um die Teilnahme an einem Schulprojekt mit der Universität Klagenfurt. Die Bewerbung war erfolgreich und wir durften im Schuljahr 1994/95 ein Jahr hindurch mit einem Team der Universität Klagenfurt unter der Leitung von Dr. Konrad Krainer Überlegungen zur Schulentwicklung anstellen (Projektbezeichnung: „Schule 2001“). Die Ergebnisse dieses richtungweisenden Projekts durften wir 1996 bei einem Kongress in New York präsentieren.

Es war bisweilen ein mühsamer Prozess, weil es Fragen zum Selbstverständnis, zu konkreten Zielsetzungen und zu Wegen der Umsetzung im Konsens zu klären gab. Auch wir befanden uns in einer Identitätskrise, die dadurch gekennzeichnet war, dass Modelle früherer Zeiten nicht oder nicht mehr wirksam griffen. Die Kluft zwischen der „Schule“ und der „Welt“ drohte bereits damals größer zu werden. Zum Ausdruck kam das (und tut es wahrscheinlich auch heute noch) in der unterschiedlichen Gewichtung und Bedeutung der Erziehungsziele im Rahmen der schulischen Arbeit. So gewichten etwa Eltern anders als Lehrer und diese wiederum anders als der „Durchschnitt“ der Bevölkerung.

Ein Veränderungswunsch und ein diesbezüglicher Schritt bringt vertraute Rahmenbedingungen und Ordnungsgesichtspunkte ins Wanken und bedeutet Unbehagen. Sicherheit in einem Ordnungsgefüge zu finden ist offensichtlich ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen. Behutsame Veränderung war daher geboten.

In mehreren Arbeitstagungen mit allen Lehrern und in einigen Phasen auch unter Einbeziehung von Schülern und Eltern wurden Grundsatzfragen diskutiert und in Arbeitskreisen an der Schule aufbereitet, um sie für eine Entscheidung vorzubereiten. „Wann geht es Eltern, Schülern, Lehrern gut?“ war eine der ganz wichtigen Grundsatzfragen. Es ging darum, einen Prozess einzuleiten, bei dem die Schulangehörigen lernen können, von anderen Organisationsformen und deren Wirkungselementen zu profitieren:

„Von Unternehmen: die Motivation,
von Familien: die Partnerschaft,
vom Markt: die Konkurrenz und
vom Staat: das Reglement.“
(Elmar Oswald, Gemeinsam statt einsam)

Das bedeutete, dass es nicht nur darum gehen sollte, Dinge richtig zu tun, sondern darum, die richtigen Dinge zu tun, nicht nur Pflichten zu befolgen, sondern Ergebnisse zu erzielen. Schule sollte zum Lernen verführen, sollte zur Übernahme von Verantwortung führen, sollte die Herausforderung der Innovation annehmen, um größere Zufriedenheit bei allen Beteiligten zu erreichen.

Wir hofften und arbeiteten damals daran, dass dieser Paradigmenwechsel gelingt.

Der Autor, HR Mag. Eduard Hruska, war zunächst Prov. Leiter und anschließend Direktor des BG/BRG Schwechat (1993 – 2001).

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